Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXXI

Verfahren Nr.694 - 701 (1968 - 1969)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Stichting voor wetenschappelijk onderzoek van nationaal-socialistische misdrijven, Amsterdam

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Lfd.Nr.701a LG Stuttgart 13.03.1969 JuNSV Bd.XXXI S.697

 

Lfd.Nr.701a    LG Stuttgart    13.03.1969    JuNSV Bd.XXXI S.728

 

selbst auf den Leichenhaufen legen, ehe sie die tödlichen Schüsse trafen. Anschliessend wurden ihre Leichen sogleich mitverbrannt. Der reibungslose Abschluss der Aktion wurde noch am gleichen Abend mit einem Trinkgelage gefeiert.

 

Wahrscheinlich sind bei dieser Erschiessung sämtliche der wenigstens 30 Häftlinge des Kommandos getötet worden. Dies ist aber nicht sicher. Es besteht die - allerdings geringe - Möglichkeit, dass etwa 10 bis 15 der Häftlinge zunächst noch verschont und - im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten - nicht durch neue Gefangene ersetzt, sondern nochmals zur Arbeit herangezogen wurden, als eine Splittergruppe des Kommandos 1005 B im Januar 1944 bei Woskresenskoje, einer ca. 6 km nordöstlich von Nikolajew liegenden Ortschaft, mit der Enterdung fortfuhr.

 

Ob das übrige Kommando 1005 B daneben oder danach noch weitere Einsätze im Raume Nikolajew hatte, liess sich nicht klären. Wenn, dann könnten nur verhältnismässig kleine "Vorhaben" in Angriff genommen worden sein. Nach Woskresenskoje wurde jedenfalls nur ein Teil der Kommandoangehörigen abgestellt. In einer Sandmulde hinter dem Dorf lagen in 3 bis 4 Massengräbern ca. 1.000 Leichen früher erschossener jüdischer Männer, Frauen und Kinder. Mindestens vom 12.1. bis ungefähr 20.1.1944 waren etwa 10 bis 15 Arbeitshäftlinge in der üblichen Weise damit beschäftigt, die Gräber auszuräumen. Diese Gefangenen wurden um den 20.1.1944 von 3 oder 4 SD/SS-Männern des Teilkommandos 1005 B auf die schon geschilderte Art durch Genickschüsse getötet und mitverbrannt. Spätestens damit waren alle der wenigstens 30 Häftlinge, die der Einheit Zie.s in Nikolajew zugeteilt worden waren, tot. Dass diese 30 Menschen schon vor Weihnachten 1943 gestorben und die Opfer in Woskresenskoje in Wirklichkeit neu hinzugeholte Menschen waren, war nicht nachzuweisen.

 

Sowohl Soh. als auch Zie. beteiligten sich, jeder in seinem Aufgabengebiet, an dem Einsatz in Nikolajew in Kenntnis und unter Billigung dessen, dass auch hier wie andernorts die jüdischen und "fremdvölkischen" Arbeitskräfte aus Geheimhaltungsgründen erschossen werden mussten. Sie akzeptierten dies, weil ihnen diese Menschen aus Rassenverachtung ohnehin nichts galten. Beide Angeklagte waren bei den Erschiessungen - allerdings unwiderlegt - nicht am Exekutionsort anwesend. Ob einer von ihnen im Raum Nikolajew den unmittelbaren Erschiessungsbefehl vor den Exekutionen gab, liess sich nicht klären. Soweit Zie.s Unterführer die Erschiessungen aber aufgrund eigener Initiative durchgeführt haben sollten, geschah dies auf alle Fälle mit Wissen und Billigung Zie.s und nur aufgrund einer von ihm - vermutlich dann an den Zeugen Fie. - gegebenen generellen Weisung, die Arbeitskräfte am Ende der Ausgrabungen zu erschiessen, ohne dazu von ihm jeweils noch einen besonderen Befehl einzuholen. Die SS-Leute, welche die Gefangenen erschossen, sahen daher selbst unter diesen Voraussetzungen - wenn also Zie. nicht den unmittelbaren Erschiessungsbefehl gegeben haben sollte - in ihm denjenigen, auf dessen Willen sie ihr Handeln zurückführten. Zie. selbst fühlte sich zu jeder Zeit für das Tun und Lassen seiner Männer verantwortlich, auch soweit die Tötung der Häftlinge in Frage stand.

 

Als die Arbeiten im Raume Nikolajew beendet waren, wurde das Teilkommando 1005 B ungefähr in der letzten Januar-Woche 1944 nach Lemberg befohlen. Kiew war inzwischen von den deutschen Dienststellen geräumt worden. Von Lemberg aus fuhren beide Teilkommandos nach Zakopane bzw. Kryniza zum Sonderurlaub. Dies hatte Soh. in die Wege geleitet. Vermutlich noch Ende Januar 1944 kehrte er noch einmal nach Nikolajew zurück. Wegen Verladeschwierigkeiten hatte das Teilkommando 1005 B dort nämlich den Bagger einfach auf freiem Feld stehen lassen. Soh. gelang es schliesslich, den Bagger mit der Eisenbahn nach Lemberg nachtransportieren zu lassen.

 

Zie., Kir. und Fie. wurden alsbald nach ihrer Ankunft in Zakopane etwa Ende Januar / Anfang Februar 1944 vorübergehend verhaftet und nach Lemberg zurückgeführt. Von Angehörigen ihres Kommandos war Anzeige wegen Unregelmässigkeiten bei der Verteilung