Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXXI

Verfahren Nr.694 - 701 (1968 - 1969)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Stichting voor wetenschappelijk onderzoek van nationaal-socialistische misdrijven, Amsterdam

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Lfd.Nr.701a LG Stuttgart 13.03.1969 JuNSV Bd.XXXI S.697

 

Lfd.Nr.701a    LG Stuttgart    13.03.1969    JuNSV Bd.XXXI S.715

 

verschickt. Danach erhielten die Kommandoangehörigen bis in den März 1944 hinein auch noch Heimaturlaub.

 

IV. Grundlegende Einweisung der Angeklagten Soh. und Zie. vor Aufnahme der praktischen Arbeiten in Kiew und die einzelnen Einsätze der Sonderkommandos 1005 A und 1005 B bis Februar 1944

 

A) "Grundsatzbesprechung" mit Blobel in Kiew und die allgemeine Praxis bei den sogenannten "Enterdungen" in der Ukraine

 

Noch vor Mitte August 1943, jedenfalls ehe mit den Vorarbeiten an Ort und Stelle in Babij-Yar angefangen wurde und kurz nachdem der Angeklagte Zie. in Kiew eingetroffen war, traf sich Blobel in einem Haus am Stadtrand von Kiew mit den für die Durchführung der Aktion 1005 im Südabschnitt der Front von ihm ausgewählten SS-Führern Soh., Baumann und Zie. zu einer grundsätzlichen Besprechung. Ausser den Genannten war noch Harder, der Adjutant Blobels, zugegen. Diese Zusammenkunft sollte dazu dienen, die führenden Männer über die vorherigen Einzelgespräche hinaus in gemeinschaftlichem Gespräch mit dem Gegenstand der "Geheimen Reichssache 1005" in Einzelheiten vertraut zu machen und alle auftauchenden Fragen zu erörtern. In jenem Zeitpunkt lagen die Funktionen von Soh. als Leiter der Aktion 1005 im Südabschnitt der Ostfront und Gesamtkommandoführer der Teilkommandos 1005 A und 1005 B, von Baumann als Führer des demnächst für den Einsatz in Babij-Yar bestimmten Sonderkommandos 1005 A und von Zie. als Führer des erst im Anschluss zu bildenden Teilkommandos 1005 B bereits fest.

 

Spätestens hier gab Blobel bekannt, dass von den Russen bei der Zurückeroberung Rostows ein grosses Massengrab aufgedeckt und diese Tatsache propagandistisch breit ausgeschlachtet worden sei. Um einer weiteren Schädigung des deutschen Ansehens und damit der Gefährdung der inneren Reichssicherheit durch Wiederholungen derartiger Vorkommnisse vorzubeugen, sei er von der nationalsozialistischen Führung in unmittelbarer Verantwortung damit beauftragt worden, im Bereich der drei Heeresgruppen (Mitte, Süd, Nord) in den besetzten Ostgebieten alle von den früheren Massenexekutionen zurückgebliebenen Gräber bis hin zur Reichsgrenze auszuräumen. Blobel wies betont darauf hin, wie wichtig und dringlich die ganze Angelegenheit sei. Deshalb und im Interesse absoluter Geheimhaltung sei in der als "Geheime Reichssache" mitgeteilten Weisung ausdrücklich niedergelegt, dass nur weltanschaulich gefestigte und zuverlässige SS-Führer aus den Reihen altbewährter Parteimitglieder für die Aufgabe herangezogen werden sollten. Der Einsatz bei der Aktion 1005 gelte als besonders verdienstvoll und stelle eine Auszeichnung dar. Dafür sollten die Beteiligten auch nach dem Willen des Reichsführers SS "gefördert und befördert werden wie kein anderer Haufen". Andererseits drohten allerschärfste Konsequenzen demjenigen, der sich nicht strikt an das Gebot höchster Geheimhaltung halte. Aus Blobels Darlegungen ging für Soh. und Zie. klar hervor, dass die "Aktion 1005" schon aus Geheimhaltungsgründen von Blobel in direkter Verantwortlichkeit gegenüber dem RSHA unter Ausschaltung jeder sachlichen Bindung an irgendwelche sonstigen Dienststellen, insbesondere etwa an die örtlichen BdS oder KdS, durchgeführt wurde, und dass auch sie bei der Erfüllung ihrer Aufgabe keiner anderen Befehlsgewalt als der Blobels oder der von ihm berufenen Repräsentanten unterstanden. Andererseits gab Blobel bekannt, dass die BdS und KdS ihm und seinen Sonderkommandos jede nötige Unterstützung zuteil werden lassen müssten. Entsprechende Anweisungen seien vom RSHA an jene Dienststellen ergangen, vor allem auch bezüglich der Gestellung von Arbeitskräften sowie der Beschaffung von Verpflegung und des benötigten Materials. Wegen der starken Belastung, der die Kommandoangehörigen ausgesetzt seien, stehe ihnen Sonderverpflegung und besonders auch Alkohol in unbegrenzter Menge zu. Soh. und Zie. erfuhren von den sehr weitreichenden, auf Himmler zurückgehenden Vollmachten Blobels, aufgrund derer auch alle übrigen in Frage kommenden Stellen zur Hilfeleistung im Hinblick auf die Aktion 1005 verpflichtet waren. Auf den Angeklagten Soh.