Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXXI

Verfahren Nr.694 - 701 (1968 - 1969)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Stichting voor wetenschappelijk onderzoek van nationaal-socialistische misdrijven, Amsterdam

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Lfd.Nr.701a LG Stuttgart 13.03.1969 JuNSV Bd.XXXI S.697

 

Lfd.Nr.701a    LG Stuttgart    13.03.1969    JuNSV Bd.XXXI S.711

 

Steuerschulden auflaufen liess, wurde gegen ihn schliesslich im Jahre 1961 ein Gewerbeverbot verhängt, so dass er das Geschäft aufgeben musste.

 

Damit im Zusammenhang stehen auch die zwei Vorstrafen des Angeklagten wegen fortgesetzter Beitragshinterziehung gegenüber der AOK (1959) und wegen Ausübung seines Gewerbebetriebs trotz behördlichen Verbots (1961). Beide Male erhielt er eine Geldstrafe.

 

Seit dieser Zeit ist Kir. unselbständig in seinem Beruf tätig; gegenwärtig als Werkstattmeister in einem Berliner Betrieb. Er verdient ca. DM 1100,- im Monat.

 

Auch der Angeklagte Kir. befand sich in vorliegender Sache nicht in Untersuchungshaft.

 

E) Feststellungsgrundlagen

 

Die Feststellungen dieses Abschnitts stützen sich auf die Angaben der Angeklagten, ergänzt durch die verlesenen Urkunden Bd.VII d. HA Bl.324-326, 368, 369, 370-372, 380 und 381 (soweit rot eingeklammert) - Auszüge aus der beglaubigten Abschrift des Urteils des Schwurgerichts Wuppertal vom 30.12.1965 - 12 Ks 1/62 (47) S II 417 -, Bl.1a, 47-49 und 52 der beigezogenen Akten des Spruchgerichts Benefeld-Bomlitz vom 19.5.1948 - 4 SpLs 113/48 - und Bl.5-7, 8, 9, 11-13, 16-21b, 30, 33-37 (soweit rot eingeklammert), 39, 40, 41-44 (soweit rot eingeklammert), 49-52, 58, 59 und 61 der als Sonderheft bei den Akten befindlichen DC-Unterlagen (Fotokopien der beim Document-Center Berlin verwahrten Personalunterlagen). Die inhaltliche Richtigkeit dieser Urkunden wurde von sämtlichen Angeklagten anerkannt (Hauptverhandlungsprotokoll Blatt 1494 - 1496; 1508); soweit wegen offenbarer Schreibfehler bei bestimmten Daten im Einzelfall der Urkundeninhalt im Widerspruch zum übrigen Beweisergebnis steht, ist dies bei den betreffenden Feststellungen berücksichtigt.

 

III. Beginn und feststellbarer äusserer Ablauf der Aktion 1005 im Südabschnitt der Ostfront bis Februar 1944

 

A) Heranziehung des Angeklagten Soh. als Leiter der Aktion 1005 im Südabschnitt und Aufstellung des Sonderkommandos 1005 A in Kiew

 

Spätestens im Frühsommer 1943 ging Blobel, der übrigens auch Träger des Goldenen Parteiabzeichens war, daran, das für den Südabschnitt der Front - Ukraine und Schwarzes Meer - vorgesehene Sonderkommando 1005 zusammenzustellen. Dazu wandte er sich in erster Linie an den seinerzeitigen BdS in Kiew SS-Gruppenführer Dr. Thomas. Dieser war gemäss der Anweisung des RSHA gehalten, ihm für das einzusetzende Kommando Personal zur Verfügung zu stellen und jede sonstige materielle Unterstützung zu gewähren. Als vordringlichste Aufgabe galt es, das in diesem Gebiet zahlenmässig grösste Leichenvorkommen in dem zerklüfteten Gelände Babij-Yar am Stadtrand von Kiew zu bereinigen. Daran hatte Blobel, der das Massaker in Babij-Yar, das über 30.000 Opfer gefordert hat, Ende September 1941 mit seinem Sonderkommando selbst angerichtet hatte, zudem ein höchstpersönliches Interesse. Er wusste, dass dort der von ihm veranstalteten 2tägigen Massenexekution zahlreiche weitere Massenerschiessungen und Einzelliquidierungen gefolgt waren. Daher war ihm klar, dass das Kommando hier für längere Zeit gebunden sein würde. Angesichts der vor den russischen Angriffen weiter zurückweichenden Front und des demzufolge wachsenden Zeitdruckes fasste er deshalb die Unterteilung des Gesamtkommandos in 2 Teilkommandos ins Auge, von denen das eine zunächst in Kiew, das andere in

 

417 Siehe Lfd.Nr.606.